Auf den Hund gekommen (Alpha-Susi)

von
Brigitte Ganady


Als Backfisch (und noch etwas später) schwärmte ich einmal für Pudel und bitte dafür alle Dackel-Teckel-Dachshunde um Verzeihung. Die Mutter meines heutigen Ehemannes hatte eine Yorkshireterrier-Hündin "Hexe", auch genannt "Mummelschrat", mit dem wir manchmal spazierengingen. Auf so einem Gassi-Gang in Berlin-Karlshorst sagte ich dann: "ich möchte später mal einen Pudel haben" und bekam zur Antwort: "na, dann gehen wir eben später mit dem Pudel spazieren!" Das war sozusagen der Heiratsantrag. Es sollten aber noch viele Jahre vergehen, ohne daß das Thema Hund angesprochen wurde. Inzwischen waren wir zwar verheiratet, aber beruflich waren wir doch ziemlich eingespannt, und ein Hund, der den ganzen Tag allein ist, wird melancholisch. Also begnügten wir uns vorerst mit Vögeln (Exoten und Wellensittichen). Doch im Jahre 1980 sollte sich plötzlich alles ändern.

Wir waren einige Jahre vorher umgezogen und hatten dabei eine kleine schwarz-rote Dackelin kennengelernt, die in dem an unseren Laden angrenzenden "Tante-Emma-Laden" wohnte. Sie war völlig verfettet und mein Mann sagte etwas mitleidig "Rattendackel".


Mittags kam aus dem Nachbarladen immer ein fürchterliches Gebell. Das war "Susi", die an jedem Tag lautstark nach ihrem Mittagsmahl verlangte. Nun starb die Besitzerin, und eine Nachbarin nahm "Susi" auf, obwohl sie schon eine Pudelhündin hatte, aber die Hunde kannten sich schon lange und so gab es keine Probleme. Im Haus gab es außerdem eine Familie mit einer kleinrassigen Schäferhündin, die ebenfalls öfter mit Dackel "Susi" spazierenging. Über ein Jahr verging ohne Zwischenfälle. Wir begrüßten die Hunde und Nachbarn und freuten uns, daß es allen Vierbeinern gutging.

Im Frühjahr 1980 starb nun das Ersatz-Frauchen - und keiner wollte die Dackelin haben. Die Pudelhündin wurde von einer anderen Nachbarin im Haus übernommen und "Susi" wurde zunächst von der Schäferhund-Familie aufgenommen. Es gab zwar noch einen Neffen, der "Susi" auch gern mochter, aber dieser Neffe hatte schon mehrere Tiere zu Hause und konnte deshalb "Susi" nicht nehmen.

Dann hörte mein Mann eines Tages zufällig ein Gespräch vor dem Haus. Wenn die Hündin bis Donnerstag nicht anderswo untergebracht sei, müßte sie eingeschläfert werden. Da läutete bei uns eine Alarmglocke. Mann kann doch einen gesunden Hund nicht einschläfern lassen, nur weil ihn niemand haben will! Wir sprachen über die Sache, wobei ich erst Bedenken hatte. "Susi" war bereits 11 Jahre alt, und ich hatte die Befürchtung, daß wir sie verlieren würden, wenn wir uns gerade aneinander gewöhnt hätten. Doch unsere Tierliebe überwog und "Susi" zog bei uns ein. Das war am 6. Mai 1980.

Es war rührend, zu erleben, wie "Susi" sich innerhalb von zwei Tagen an uns gewöhnt hatte, als wenn sie nie woanders gewesen wäre.

Dann bekamen wir ihre Ahnentafel und erfuhren dadurch, daß sie eigentlich ganz anders hieß, nämlich ALPHA VON DER PAULSBURG, und wurde nur "Susi" gerufen. Ich fand das etwas einfallslos, da es damals in der Straße bereits 3 Hunde namens "Susi" gab, aber da sie auf diesen Namen hörte, wollten wir sie auch nicht mehr umtaufen.

Erst später - als ich mich mit der Teckelzucht eingehender beschäftigt hatte - begriff ich, welche hochadligen Vorfahren diese Dackelhündin hatte.

Wir hatten uns - wie bereits gesagt - schnell aneinander gewöhnt, und sie mußte überall mit. Besonderen Spaß machte ihr das Baden im Grunewaldsee, und auch vor großen Hunden hatte sie keine Angst. Es war eine Freude, zu erleben, wie sie sich entwickelte. Sie bekam allmählich wieder eine richtige Dackel-Figur und sah garnicht mehr wie eine große Ratte aus. Viele Leute aus der Straße sprachen uns ihre Bewunderung aus, wie sich der Hund doch bei uns anscheinend wohlfühlt und sich zum Vorteil entwickelt habe.

"Susi" hatte natürlich - wie alle Dackel - ihren eigenen Willen. Wir hatten ja eine Ladenwohnung, was sich als sehr praktisch erwies. Manchmal wollte sie mitten in der Nacht hinaus und wir öffeneten dann auch die Ladentür, weil wir dachten, sie müsse ihr Geschäft verrichten - aber nein, sie lief nur bis zur nächsten Ecke und schnupperte in alle Himmelsrichtungen, ob zufällig ein Rüde vorbeikäme. Und das in ihrem Alter!

Da sie in diesem Alter auf keinen Fall mehr Nachwuchs bekommen durfte, paßten wir natürlich auf, daß sie an den kritischen Tagen nicht in die Nähe eines Rüden kam und fielen auch nicht mehr auf ihren nächtlichen Gassi-Trieb herein.

Wir hatten zwei Jahre lang unsere Freude miteinander und feierten am 12.8.1982 stolz ihren 13. Geburtstag. Ein paar Tage später machten wir mit ihr noch einen Spaziergang zum Grunewaldsee, wo sie sich einen silberglänzenden Fisch aus dem Wasser holte.

Elf Tage später mußten wir uns dann für immer von ihr verabschieden. Sie bekam einen schweren Anfall von Teckellähme mit teilweiser Lähmung der Darmtätigkeit. Ich mußte sie hinaustragen und halten, damit sie ihre Häufchen loswerden konnte. Es war eine furchtbare Quälerei, sodaß nach mehreren Tagen nur noch der letzte Weg zur Tierärztin blieb.

Wir werden Alpha-Susi nie vergessen. Sie hat unser ganzes weiteres Leben entscheidend beeinflußt.

Alpha von der Paulsburg begrüßt Besuch aus Frankreich, 5.8.1980